Solothurner Ergebnisse der LCH-Studie zur integrativen Schule
24.08.2026Inklusionsorientierte Schule: Zwischen Anspruch und Realität
Immer wieder wird darüber diskutiert, unter welchen Bedingungen die inklusionsorientierte Schule gelingen kann. Mit der Veröffentlichung des Schlussberichts zur Studie «Inklusionsorientierte Schule zwischen Anspruch und Realität» kommt nun auch die wichtige Stimme der Lehrpersonen zu Wort. Wie beurteilen sie die Idee der inklusionsorientierten Schule und deren Umsetzung im Berufsalltag?
Die Studie wurde vom LCH gemeinsam mit gfs.bern durchgeführt. Insgesamt nahmen 10’394 Lehrpersonen der Zyklen 1 bis 3 aus sämtlichen deutschsprachigen Kantonen der Schweiz daran teil.
Die Ergebnisse bestätigen, was bereits vermutet werden konnte: Zwischen dem Anspruch der inklusionsorientierten Schule und ihrer Umsetzung in der Praxis besteht eine deutliche Lücke. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch ein differenziertes Bild. Eine Mehrheit der Lehrpersonen in der Deutschschweiz befürwortet die Idee einer inklusionsorientierten Schule grundsätzlich. Gleichzeitig ist eine Mehrheit der Ansicht, dass die Umsetzung aufgrund fehlender Ressourcen und unzureichender Rahmenbedingungen mit grossen Schwierigkeiten verbunden ist.
Dabei gilt: Je mehr Ressourcen zur Verfügung stehen, desto höher ist die Akzeptanz der inklusionsorientierten Schule.
Situation im Kanton Solothurn
Was für die Deutschschweiz insgesamt zutrifft, zeigt sich auch im Kanton Solothurn – teilweise sogar noch ausgeprägter. Von den 773 befragten Solothurner Lehrpersonen erleben 48 Prozent die inklusionsorientierte Schule in ihrem Berufsalltag als starke Belastung. Damit liegt der Kanton deutlich über dem deutschschweizerischen Mittelwert von 41 Prozent.
Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Frage nach der ausreichenden Unterstützung der Schülerinnen und Schüler: 22 Prozent der Solothurner Lehrpersonen beurteilen diese als «überhaupt nicht ausreichend», weitere 46 Prozent als «eher nicht ausreichend». Bei den übrigen LCH-Mitgliedern liegen die entsprechenden Werte bei 17 beziehungsweise 39 Prozent.
Was es für eine erfolgreiche Umsetzung braucht
Die LCH-Studie liefert auch klare Hinweise darauf, wie die Rahmenbedingungen verbessert werden könnten:
- Kleinere Klassen: 95 Prozent der befragten Solothurn Lehrpersonen sind der Ansicht, dass kleinere Klassen eine wirksame Voraussetzung für eine qualitativ hochwertige inklusionsorientierte Schule sind.
- Schnellere Unterstützungsverfahren: 88 Prozent geben an, dass die Zeitspanne zwischen einem Unterstützungsantrag und dessen Umsetzung zu lang ist. Die Verfahren müssen dringend beschleunigt werden.
- Mehr zeitliche Ressourcen: 76 der Befragten beurteilen die zeitlichen Ressourcen für Planung, Fortbildung und Kooperation als nicht ausreichend.
Der LSO unterstützt diese Forderungen. Die Ergebnisse der Studie machen deutlich: Nicht die Idee der inklusionsorientierten Schule wird grundsätzlich infrage gestellt. Problematisch sind vielmehr die fehlenden Ressourcen und Rahmenbedingungen, die für eine erfolgreiche Umsetzung notwendig wären.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob die inklusionsorientierte Schule gescheitert ist. Vielmehr muss geklärt werden, ob die Politik bereit ist, die notwendigen Voraussetzungen für ihr Gelingen zu schaffen.
Beitrag von Regula Portillo